{"id":1951,"date":"2021-01-02T01:18:38","date_gmt":"2021-01-01T23:18:38","guid":{"rendered":"http:\/\/henningdenkler.photography\/?page_id=1951"},"modified":"2021-02-21T19:00:09","modified_gmt":"2021-02-21T17:00:09","slug":"warum-mag-ich-das","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/henningdenkler.de\/?page_id=1951","title":{"rendered":"Warum ich Fliegen mag."},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover has-background-dim\" style=\"background-image:url(http:\/\/henningdenkler.photography\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20140911-_MG_6429.jpg)\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\">Warum ich Fliegen mag.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Papa ist schuld. Nat\u00fcrlich. Was auch sonst?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war neun Jahre alt, da packte Papa mich ins Auto und wir fuhren mehrere Stunden (gef\u00fchlt, in Wahrheit wohl 30 Minuten) zum Flugplatz in Wipperf\u00fchrt. Papa buchte einen Rundflug in einer einmotorigen Cessna 172, vergurtete mich auf dem R\u00fccksitz, schulterte seine Fotoausr\u00fcstung und nahm selbst auf dem rechten vorderen Sitz des Copiloten\/Passagiers Platz. Die Maschine knatterte los, hob ab und ich erlebte die Welt von oben. Was der gro\u00dfe Unterschied war zu den Fl\u00fcgen, die ich bisher erlebt hatte: es war <em>meine <\/em>Welt, <em>mein<\/em> Remscheid. Ich konnte das erste Mal meine Stra\u00dfen, meinen Wald, meinen Spielplatz, meine Schule und meiner Freunde H\u00e4user so sehen, wie noch nie zuvor. So klein, so verschwindend. Aber ich f\u00fchlte mich auch erhaben: von allen Menschen an Bord (also von uns Dreien) war ich der einzige, der wusste, welche Geheimnisse diese Ansammlungen von B\u00e4umen dort und dieser Flecken Wiese hier barg. Und noch mehr: ich war auch unter meinen Freunden der einzige, der jemals unsere Welt aus der Sicht eines Vogels sah. Wie gro\u00dfartig war dieses Gef\u00fchl. Es war in der Tat so gro\u00dfartig, dass ich mir genau merkte, was es f\u00fcr ein Flugzeug war (&#8222;Cessna 172 Skyhawk&#8220;) und wie das Rufzeichen lautete: D-EKON. Glaubt es oder nicht, aber ich habe sechsunddrei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter in Vorbereitung auf diesen Text ein Bild dieses Flugzeugs im Internet gefunden:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"702\" src=\"http:\/\/henningdenkler.photography\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/0213175-1024x702.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1960\" srcset=\"https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/0213175-1024x702.jpg 1024w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/0213175-300x206.jpg 300w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/0213175-768x527.jpg 768w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/0213175-24x16.jpg 24w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/0213175-36x25.jpg 36w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/0213175-48x33.jpg 48w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/0213175.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Quelle: AirHistory.net<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie ich schon schrieb, das hier war nicht mein erster Flug. Zuvor bin ich schon in Passagiermaschinen nach Ibiza geflogen. Ich erinnere mich noch an einen dieser Fl\u00fcge. Die Fluglinie hie\u00df Spantax und betrieb untere anderem die vierstrahligen Convair 990 Coronados, absolute Rarit\u00e4ten aus heutiger Sicht. Irrsinnig laut, irrsinnig dreckig und irrsinnig schnell waren die. Eine der Maschinen steht heute, langsam verrotend, am Flughafen von Palma de Mallorca als Ausstellungsst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.mallorcazeitung.es\/lokales\/2017\/02\/23\/darf-mallorca-spantax-flieger-verrotten\/49360.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ein Bericht \u00fcber die Spantax-Convair in der Mallorcazeitung.<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"479\" src=\"http:\/\/henningdenkler.photography\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-1024x479.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1955\" srcset=\"https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-1024x479.jpg 1024w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-300x140.jpg 300w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-768x359.jpg 768w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-1536x719.jpg 1536w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-2048x958.jpg 2048w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-24x11.jpg 24w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-36x17.jpg 36w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Spantax-Convair-PMI-48x22.jpg 48w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>EC-BZO, die Spantax-Convair am Flughafen PMI<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<div class=\"epyt-video-wrapper\"><iframe  id=\"_ytid_85962\"  width=\"480\" height=\"270\"  data-origwidth=\"480\" data-origheight=\"270\"  data-relstop=\"1\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/HTlT2-i4gjw?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=0&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/div>\n\n\n<p>Ich erinnere mich, dass ich direkt nach dem Verlassen der Runway nach hinten geschaut habe und den Eindruck hatte, es ging hinter mir bergab. Eine T\u00e4uschung nat\u00fcrlich, hervorgerufen durch die Rotation des Flugzeuges und den schmal zulaufenden Rumpf. Andererseits auch irgendwie symbolisch, denn Spantax hatte einen durchaus schlechten Ruf: mal landete ein Pilot in Hamburg auf dem falschen Flughafen (&#8222;Finkenwerder Airlines&#8220;), mal verga\u00dfen Piloten, bei der Landung das Fahrwerk auszufahren oder reagierten viel zu sp\u00e4t auf Notlagen. 1988 war f\u00fcr Spantax daher der Kollaps unausweichlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, jedenfalls: der Cessna-Flug hat etwas in mir geweckt. Die Technik daran war gar nicht relevant oder der Ablauf oder das Gef\u00fchl der Maschine. Es war tats\u00e4chlich das Gef\u00fchl der Freiheit und Einzigartigkeit und das Gef\u00fchl, den Dingen entkommen zu sein. Wer kann einen schon erreichen, so hoch oben? Keiner, niemand.  Das hat mich ungeheuer ergriffen. Noch am Abend f\u00fchrte ich Mama und Papa das selbstgebaute Flugzeug aus Lego vor. Ich wei\u00df es noch wie gestern: Papa sah mich an und blickt dann verschmitzt l\u00e4chelnd zu Mama. Er wusste wohl, was er da bewirkt hatte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Heute Lego, morgen Revell.<\/h4>\n\n\n\n<p>Jetzt besteht die Schwieirgkeit nat\u00fcrlich darin, nicht st\u00e4ndig solche Rundfl\u00fcge buchen zu k\u00f6nnen. Es gab tats\u00e4chlich nur noch einen einzigen weiteren, zusammen mit meiner Schwester sa\u00df ich wieder hinten auf der R\u00fcckbank und mir war kotze\u00fcbel. War es aber vorher schon, eigentlich m\u00fcsste ich Papa daf\u00fcr hassen, dass er mich in diesem Zustand, der keinerlei Genuss zulie\u00df, in den zweiten und letzten Cessna-Rundflug meiner Kindheit zwang. Tue ich aber nat\u00fcrlich nicht, immerhin schreibe ich jetzt schon seit sieben Zeilen dar\u00fcber und damit ist das scheinbar doch eine erz\u00e4hlenswerte Episode meines Lebens geworden. Au\u00dferdem ist dabei wohl auch eine der Luftaufnahmen entstanden, die Papa mit seiner Kamera von unserem Zuhause gemacht hat:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"819\" src=\"http:\/\/henningdenkler.photography\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-1024x819.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1956\" srcset=\"https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-1024x819.jpg 1024w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-300x240.jpg 300w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-768x614.jpg 768w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-1536x1229.jpg 1536w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-2048x1638.jpg 2048w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-24x19.jpg 24w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-36x29.jpg 36w, https:\/\/henningdenkler.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Luftbildaufnahme-Remscheid-1983-48x38.jpg 48w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Blick auf Remscheid-Bliedinghausen: waagerecht verl\u00e4uft die Bliedinghauser Stra\u00dfe mit dem damaligen Autohaus Reiferscheid (heute 3H-Automobile), links abzweigend die Steinackerstra\u00dfe (rechte Bildseite). Am oberen Bildrand: der Sonnenhof.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Da ich nun also unwissentlich der Rundfl\u00fcge beraubt war, blieben mir nur zwei Alternativen: selbst fliegen oder selbst bauen. Das erste war unerreichbar und kam mir nie in den Sinn, ich war ja auch erst neun Jahre alt. Das zweite war aber m\u00f6glich. Lego bot da so viele Optionen und bald schon entwickelte sich meine Kreativit\u00e4t hin zum Nachbau der Hochdecker-Cessna. Nur hat Lego eben auch einen Nachteil: es sieht irgendwie nie wirklich nach genau dem Flugzeug aus, das mir die gro\u00dfe Freiheit versprach. Es sah auch nie nach irgendeinem anderen Flugzeug aus, wie ich sie in der Flug Revue sehen konnte, die Papa sich immer gekauft hat. Nein, Lego ist eckig. Richtig eckig. Rechtwinkelig eckig. Das sind Flugzeuge eher selten (mit Ausnahme des <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Short_Skyvan#\/media\/Datei:Shorts_SC.7_Skyvan.jpg\" target=\"_blank\">&#8222;fliegenden Schuhkartons&#8220;, der Shorts Skyvan<\/a>). Ich musste mir, um des Realismus Willen schon, eine Modellalternative suchen. Diese fand ich im Spielwarengesch\u00e4ft &#8222;Hock&#8220; auf der Alleestra\u00dfe: die Modellbaus\u00e4tze der Firma Revell. Ohhhh ja: DAS waren Flugzeuge! Wie in echt. Den ersten Bausatz bekam ich allerdings noch viel fr\u00fcher geschenkt, im Alter von sieben Jahren vom Freund der Familie, Klaus. Es war ein Wasserflugzeug und wenn ich mich richtig erinnere, k\u00f6nnte es eine Dornier Wal gewesen sein. Zusammengebaut haben Klaus und ich das Ding, ohne jede Anwendung von Farben, im gemeinsamen Urlaub in Kirchheim\/Teck. Der Urlaub sollte sp\u00e4ter daf\u00fcr in die Familiengeschichte eingehen, dass ich, schwer fiebernd, sechsundrei\u00dfig Stunden durchgeschlafen haben soll. Behauptet jedenfalls Mama und die ist f\u00fcr ihre perfektes Zeitgef\u00fchl bekannt. Aber ich schweife ab.<br>Das Wasserflugzeug konnte gar nicht schnell genaug fertig werden, immerhin sollte es doch drau\u00dfen fliegen. Ihr k\u00f6nnt Euch wohl meine Entt\u00e4uschung vorstellen, als ich das Flugzeug kr\u00e4ftig nach vorne schleuderte und der Jungfernflug wenige Meter sp\u00e4ter in einen &#8222;controlled flight into terrain&#8220; endete, der Aufschlag auf die Pflastersteine der Hauseinfahrt. Mein siebenj\u00e4hriges Ich betrachtete die Absturzstelle und auch wenn ich mich nicht mehr daran erinnerte, so w\u00fcrde es mich doch nicht wundern, wenn ich mich um diese angebliche Errungenschaft der Menschheit, die Fliegerei, betrogen f\u00fchlte. Fliegen? Wie denn, wenn nichtmal dierses kleine Plastikding dazu in der Lage ist? Gl\u00fccklicherweise hat dieser Zustand nicht lange angehalten, woran der anderthalbt\u00e4gige Fieberschlaf m\u00f6glicherweise nicht ganz unschuldig sein k\u00f6nnte, Stichwort &#8222;Kurzzeitamnesie&#8220;. So war mein Geist frei f\u00fcr das Revellerlebnis einige Jahre sp\u00e4ter bei Hock.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Irgendwas mit Knarren dran<\/h4>\n\n\n\n<p>Inzwischen \u00e4nderten sich in und um mich einige Dinge, die auch auf meine Sicht der Fliegerei Einfluss nahmen. So entdeckte ich mittels Commodore C64 die Welt der Flugsimulation und damit auch die ersten Milit\u00e4rflugzeuge. Weiterhin entdeckte ich, \u00fcber die Katalysatoren Carsten und Oli, die Filmwelt und wie ultragro\u00dfartig die amerikanische Air Force doch war. Top Gun! Der st\u00e4hlerne Adler! Blue Thunder! Der Hammer. Da konnte so eine lumpige Boeing oder Cessna einfach nicht mithalten. Im Gegenteil: Filme wie &#8222;Airport&#8220; oder &#8222;Airport 80 &#8211; Die Concorde&#8220; bewiesen doch letzten Endes nur, dass die zivile Fliegerei lebensgef\u00e4hrlich war. Bei Top Gun konntest Du immerhin nur dadurch sterben, dass der Schleudersitz Dich gegen die Cockpithaube schie\u00dft, und seien wir mal ehrlich: wie oft kommt das schon vor?<br>Das Ende vom Lied: ich baute keine Zivilflugzeuge, sondern alles andere, Hauptsache milit\u00e4risch. Und Hauptsache gro\u00dfformatig! Im Ma\u00dfstab 1:48 waren das die F-15 Eagle und die F-18, auch die F-16 oder der deutsche Transporthubschrauber CH-53G. Kleinere Ma\u00dfst\u00e4be baute ich nat\u00fcrlich auch, 1:72 und 1:144. \u00dcber die Dauer entstand so ein reichhaltiger Bestand an Bauwerken. \u00dcber meine technischen Fertigkeiten beim Bau wollen wir mal schweigen, denn mir ging es ja um die Materialisierung von Phantasien. Gespielt habe ich mit den Baus\u00e4tzen zwar nicht, aber ich habe sie gerne angeschaut und mir vorgestellt, wie diese Maschinen in den Filmen wohl aussehen w\u00fcrden. \u00dcbrigens, und das beruhigt mein erwachsenes, pazifistisches Ich schon ein wenig: ich habe mir nie den Waffeneinsatz vorgestellt. Ich habe die Bewaffnung angebaut und kannte auch alle Namen und Spezifikationen. Wahrscheinlich ging damit auch ein gewisses Machtgef\u00fchl einher. Aber dass meine Baus\u00e4tze im Grunde genommen dazu gemacht wurden, andere Menschen umzubringen, ging mir nie in den Kopf, weder als Realisierung dessen noch als Vorstellung der Machtaus\u00fcbung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Weg zur\u00fcck nach oben<\/h4>\n\n\n\n<p>Mit den Jahren entdeckte ich doch mehr und mehr wieder die zivile Fliegerei. Die regelm\u00e4\u00dfige Lekt\u00fcre der Flug Revue spielte dabei eine wesentliche Rolle, aber auch die lauter werdende innere Stimme, die mich aufforderte, doch endlich selbst \u00fcber eine Fluglizenz nachzudenken. Aufgrund der hohen Kosten kam das aber nicht in Frage. Ultraleichtfliegen oder Segelflug, was sehr viel g\u00fcnstiger ist? So zivil war ich dann doch noch nicht. F\u00fcr den Moment mussten also wieder Baus\u00e4tze herhalten. Ein Airbus A330 entstand ebenso wie eine Concorde. Nebenher wurde ich aber auch per Airbursh aktiv: mein Freund Carsten hatte sich irgendwann eine eigene Fluggesellschaft ausgedacht. STAFA Airways. Was &#8222;STAFA&#8220; bedeutet und warum man es gro\u00df schreibt, wei\u00df niemand so genau, vermutlich nichtmal Carsten selbst. War mir aber ohnehin egal, denn ich entwickelte daf\u00fcr auch nur ein Design und erstellte eine Flieger\u00fcbersicht. Als kleinen Scherz konnte ich es mir nicht nehmen lassen, Carsten eine Prise R\u00fcckst\u00e4ndigkeit unterzujubeln, indem ich eine absolute veraltete Tupolew Tu-154 der Flotte hinzuf\u00fcgte. Hat er nat\u00fcrlich nie verstanden, aber ich schmunzle noch heute. <\/p>\n\n\n\n<p>Einen Schritt nach vorne &#8211; und oben &#8211; machte ich, als w\u00e4hrend des Studiums in Bonn feststellte, dass es seitens der Universit\u00e4t das Angebot gab, Segelflugstunden nehmen zu k\u00f6nnen. Der Flugplatz in Hangelar war daf\u00fcr vorgesehen und den konnte ich zu Fu\u00df erreichen. Grandios! Damit ging es dann tats\u00e4chlich das erste Mal hinter einem Steuerkn\u00fcppel in die Luft. Zwar steuerte ich noch nicht selbst, aber ich sa\u00df eben im Cockpit. Und nicht nur das: es war auch das erste Mal Segelfliegen f\u00fcr mich! Mein erster Eindruck war die kurze Rollstrecke, bevor das Flugzeug abhob. Da das einzelne Rad n\u00e4mlich nicht gefedert ist und der Sitz nicht gepolstert, erlebte ich jeden Maulwurfsh\u00fcgel unmittelbar. Eine R\u00fcckkehr zur Natur, sozusagen. Derart gesch\u00fcttelt war das pl\u00f6tzliche \u00dcbergehen in den Schwebeflug unmittelbar und sehr beruhigend. Ich begann mich schon, gem\u00fctlich in dieser Horizontalbeschleunigung einzurichten, als das Flugzeug steil nach oben zog. Die Winde hatte m\u00e4chtig Power und schleppte den Segler im 50 Grad-Winkel empor. In einigen Dutzend Metern H\u00f6he kippte das Flugzeug dann langsam nach vorne, verringerte den Anstellwinkel und klinkte aus. Und was f\u00fcr ein toles Gef\u00fchl war das! Durchaus nicht gerade leise, wie man annehmen k\u00f6nnte wegen des fehlenden Motorger\u00e4usches. Aber ein Segelflugzeug fliegt mit ungef\u00e4hr 100 km\/h durch die L\u00fcfte und das Rauschen des Windes ist deutlich vernehmbar. Unterhaltungen im Cokpit sind da nicht in Zimmerlautst\u00e4rke zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Flugerlebnis hinterlie\u00df bleibenden Eindruck und h\u00e4tte mit Sicherheit auch zu einer erfolgreichen Lizenz gef\u00fchrt, w\u00e4re mir das Ende des Studiums und der Lernstress f\u00fcr das zweite und dritte Examen nicht dazwischen gekommen. Der Wegzug aus St. Augustin nach Remscheid entfernte mich dann auch so weit von Hangelar, dass ich dort nicht weiter fliegen wollte. Damit war leider auch das Thema &#8222;Fluglizenz&#8220; f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit durch. Nicht nur, dass es keine Flugschule in direkter N\u00e4he gab, ich befand mich fortan auch im Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis und hatte einfach keine Zeit mehr.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dann halt durch Glas<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Faszination lie\u00df nat\u00fcrlich keinesfalls nach. Allerdings verlagerte sich der Fokus deutlich in Richtung der Verkehrsfliegerei. Und in Richtung Fotografie. Beides zusammen bedeutete: wenn ich mich auch nur ann\u00e4hernd in dem Dunstkreis eines Verkehrsflughafens bewegte, war der Weg zu irgendeiner Stelle am Begrenzungszaun fest eingeplant:<br>&#8222;Nur einmal gucken, nur kurz.&#8220;<br>&#8222;Ach, schau, das waren jetzt zwei Mal Boeing 737, lass und wenigstens noch auf einen Airbus warten.&#8220;<br>&#8222;Nee, nicht so ein Airbus, ein anderer.&#8220;<br>&#8222;Nein, so einer auch nicht, <em>noch <\/em>ein anderer.&#8220;<br>&#8222;Was soll das hei\u00dfen, Du f\u00e4hrst jetzt einfach und ich soll zusehen, wie ich an etwas zu essen komme?&#8220;<br>Ich nehme an, Ihr kennt solche Gespr\u00e4che selbst.<br>Als ich dann zu ungef\u00e4hr dieser Zeit mit der Fotografie intensiv begann, lag die weitere Entwicklung nat\u00fcrlich nahe. Fotos von Flugzeugen, gro\u00dfartig. Inspiriert haben mich die vielen Webseiten zu diesem Thema: planespotters.net, airliners.net, jetphotos.com&#8230; da gibt es wahnsinnig viele Seiten mit irrsinnig guten Bildern. Deren Level werde ich wahrscheinlich nie erreichen, aber das ist auch nicht mein Anspruch. Ich will einfach nur Flugzeuge sehen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ansonsten das, was Microsoft sagt.<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit 1982 gibt es den &#8222;Flight Simulator&#8220; und seit dieser Zeit bin ich sein Passagier. Auf dem C64, auf dem Amiga und schlie\u00dflich auf dem PC; nur mit dem Joystick, dann mit zwei Joysticks, dann in Virtual Reality. Aber immer geht es um das Fliegen. Der Flight Simulator 2020 ist selbstverst\u00e4ndlich auch mein Eigen und echte Fliegereingabeger\u00e4te befinden sich schon lange auf meinem Wunschzettel. Aber mir ging es ja eigentlich nie um die Technik, das Beherrschen einer Maschine und damit der Luft, dem Trotzen der Schwerkraft. Mir ging es um die Freiheit und darum, meiner Welt und meiner Wirklichkeit zu entfliehen, von oben auf alles zu blicken und das Gef\u00fchl zu genie\u00dfen, dass mich niemand erreichen kann. Ich bin einfach nicht da, weg, in der Luft. \u00dcbrigens fasziniert mich die Schifffahrt aus dem gleichen Grund.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Flight Simulator konnte dieses Gef\u00fchl oft in Sichtweite bringen, aber nie erreichen. Die neueste Version aber kommt schon ganz nah heran. Immerhin wird tats\u00e4chlich erstmals die Welt simuliert. Ich sah bereits die Eschbachtalsperre, das Remscheider Rathaus und sogar das Farmhaus von Tafa und Michael in Arkansas\/USA. Ich beginne also schon wieder, das Verlangen nach dem Erlebnis zu versp\u00fcren. Inzwischen k\u00f6nnte ich mir die Rundfl\u00fcge selbst leisten, aber reicht mir das noch? Will ich nicht mehr? Will ich nicht selbst entscheiden, wohin es geht und wann und f\u00fcr wie lange? Doch, nat\u00fcrlich will ich das. Ich will das tun, was diese beiden YouTuber tun: sich in ihren Ultraleichtflieger setzen und f\u00fcr ein paar Tage einmal im Kreis durch Deutschland fliegen:<\/p>\n\n\n<div class=\"epyt-video-wrapper\"><iframe  id=\"_ytid_63045\"  width=\"480\" height=\"270\"  data-origwidth=\"480\" data-origheight=\"270\"  data-relstop=\"1\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/X_GaMeqksmU?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=0&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/div>\n\n\n<p>Der Schluss liegt also nahe: ich will &#8211; nein: ich <em>muss <\/em>eine Pilotenlizenz machen. Alles klar.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Up, up and away<\/h4>\n\n\n\n<p>Bis es soweit ist, wie die \u00dcberschrift das suggeriert, dauert es noch. Ich bin bislang (Stand Dezember 2020) nicht \u00fcber das Status der Suche nach Flugschulen hinaus. Naja, doch, ein wenig: ich habe n\u00e4mlich eine gefunden. Vielleicht. Aber ab jetzt werde ich Euch mitnehmen auf diese Reise. Wenn es tats\u00e4chlich irgendwann mit der Flugschule anf\u00e4ngt, werdet Ihr das erfahren und hier begleiten k\u00f6nnen. Bis dahin wird meine Fliegerleidenschaft online stattfinden oder am Zaun stehend und staunend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papa ist schuld. Nat\u00fcrlich. Was auch sonst? Ich war neun Jahre alt, da packte Papa mich ins Auto und wir fuhren mehrere Stunden (gef\u00fchlt, in Wahrheit wohl 30 Minuten) zum Flugplatz in Wipperf\u00fchrt. Papa buchte einen Rundflug in einer einmotorigen Cessna 172, vergurtete mich auf dem R\u00fccksitz, schulterte seine Fotoausr\u00fcstung und nahm selbst auf dem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":31,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1951","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1951","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1951"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1951\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1980,"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1951\/revisions\/1980"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/31"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/henningdenkler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1951"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}